In vino veritas… Glas 2

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Liebe Anna,

nachdem wir das professionelle Degustieren  letzte Woche nun tüchtig geübt haben, geht es heute ans Eingemachte…oder eben ans Vergorene, die Traubensorten! 😉 Und zwar starten wir mit 3 Weisswein-Sorten und ihren ganz besonderen Eigenschaften, die sich durch Klima, Boden, Wetter und die Weinbereitung unterschiedlich entwickeln können.

Diese drei Sorten (wie auch 4 Rotweinsorten, die wir nächste Woche unter die Lupe nehmen) sind weltweit sehr verbreitet, da sie in unterschiedlichsten Klimata gedeihen und dadurch für die Weinwelt von grosser Bedeutung sind. Alle übrigen Traubensorten sind entweder eher in einzelnen Ländern in Europa, der sogenannten „Alten Welt“, oder in Übersee, der sogenannten „Neuen Welt“,  angesiedelt oder es handelt sich um rein lokal gewachsene und damit für die spezifischen lokalen Gegebenheiten optimal angepasste Sorten, sogenannte autochthone Rebsorten, von denen es zum Beispiel in Italien sehr, sehr viele gibt. Aber da ufert es bereits etwas aus und wir wollen uns hier ja nicht im Detail verlieren, sondern möglichst bald mit neuem Weissweinwissen zum Apéro ins Wochenende starten und praktisch weiter üben 😉

Also, los gehts:

Chardonnay – das Chamäleon

Ihre ursprüngliche Heimat hat die Chardonnay-Traube  im Mâconnais, einer Region im Burgund in Frankreich. Die Traube ist in ihrem Charakter äusserst anpassungsfähig und kann unter ganz unterschiedlichen Klimabedingungen sehr hochwertige Weine hervorbringen, weshalb sie rund um den Globus angebaut wird. Ausserdem ist der Fruchtgeschmack kaum ausgeprägt, was dazu führt, dass die Lage, Bodenbeschaffenheit und die Weinbereitung dieser Traube den Geschmack des daraus resultierenden Weines stark beeinflussen können.

In kühlen Gebieten wie in der Champagne im Norden Frankreichs und im Chablis (nördlichste Gemeinde im Burgund) zum Beispiel entwickelt die Traube einen eher stahligen Geschmack mit viel Säure und Aromen von grünen Früchten wie Äpfel und Birnen. Chablis wird deswegen gerne zum Aperitif gereicht oder passt wunderbar zu salzigen Gerichten wie Meeresfrüchten, hellem Fisch oder auch weissem Geflügel.

Beim dem sogenannten Wine-Food-Pairing achtet man immer darauf, dass sowohl der Wein als auch das Gericht sich geschmacklich auf der gleichen Höhe befinden. Das heisst einmal, dass zu einem salzigen Gericht auch eher ein mineralischer/salziger Wein passt und zu einer Süssspeise eben ein süsser Dessertwein gereicht wird. Andererseits muss auch die geschmackliche Ausprägung von Essen und Wein gleichwertig sein, d.h. ein eher feines, wenig gewürztes Gericht darf nicht von einem komplexen, schweren Wein erdrückt werden und umgekehrt.

Gemässigte Klimazonen, wie zum Beispiel südlichere Lagen im Burgund, bringen Chardonnay-Weine mit Zitrus-, Melonen- oder Pfirsichnoten hervor, die wir zu etwas würzigeren Gerichten wie zum Beispiel zu einem Safranrisotto oder Jakobsmuscheln trinken könnten.

Und durch warme oder gar heisse Temperaturen – wie sie beispielsweise in Kalifornien vorkommen – werden aus der Frucht exotische Fruchtnoten von Bananen, Mango und Feigen rausgekitzelt und der Wein hat eher wenig Säure, dafür einen höheren Alkoholgehalt. (Warum? Ja, wir repetieren: lange Reifezeit durch hohe Sonneneinstrahlung führt zu viel Zucker in der Traube, der wiederum zu viel Alkohol vergoren werden kann :-))

Ebenfalls verträgt die Chardonnay Traube eine Gärung oder Reifung im Eichenfass, wodurch der Wein nussige oder Röstaromen erhält, was mit den übrigen Weissweinen, die eben oft eher säurehaltig sind, eher weniger geschieht. Dies ist insbesondere in der „Neuen Welt“, also zB. In Kalifornien sehr üblich und auf dem Etikett prangt dort dann ein stolzes „oak“, um diese Geschmacksrichtung dem Konsumenten anzuzeigen.

Du siehst, die Chardonnay-Traube ist ein totaler Allrounder und schmeckt komplett unterschiedlich, je nach Herkunft und Ausbaugepflogenheiten!

Sauvignon Blanc – die Krautige

Sauvignon Blanc ist ebenfalls eine Traube, die sowohl in ihrem Ursprungsland Frankreich (dort in der Bordeaux-Region und an der Loire im Westen), als auch stark in der „Neuen Welt“, besonders in Neuseeland, beliebt ist.

Im Gegensatz zu Chardonnay hat diese Traube aber eine krautige Grundaromatik, welche speziell in kühlen bis gemässigten Klimazonen zum Ausdruck kommt. Sie entwickelt dort zudem eine hohe, erfrischende Säure und Aromen von grüner Paprika oder Gras. Das klingt jetzt nicht so einladend, aber diese Noten werden einerseits durch fruchtige Noten von Holunder etwas ausbalanciert, andererseits passt dieser Wein eben sehr gut zu etwas herberen Gerichten wie Fisch an Safransause, Chicorée Gemüse oder Fenchelsalat.

In wärmeren Regionen bilden sich eher vage Grapefruit- und Pfirsichnoten aus, weshalb dort ebenfalls – wie beim Chardonnay und v.a. in der Neuen Welt – Eiche eingesetzt wird, die dem Wein rauchige Aromen verleiht, um einen komplexeren Geschmack hervorzubringen.

Die meisten Sauvignon Blanc Weine werden am besten jung und fruchtig genossen. Reifen sie längere Zeit, verstärken sich die sortentypischen „grünen“ Noten zu pflanzlichem Spargel- und Erbsenaromen.

Riesling – die Liebliche

Die Riesling Traube ist aus meiner Sicht nun die krasse Gegenspielerin zur herben Sauvignon Blanc Sorte. Ebenfalls weltweit angebaut sind Riesling Weine lieblich, blumig bis süss. Trotzdem weisen sie eine hohe Säure auf, was die Weine gut balanciert und beliebt macht.

In kühlen Gebieten, wie etwa an der Mosel in Deutschland (DEM Rieslingland!), offenbart sie einen Fruchtcharakter mit Trauben- und Apfelaromen und die hohe Säure wird mit Restsüsse ausbalanciert.

Spätlesen, d.h. Weine für die die Trauben etwas länger am Stock hängenbleiben (was mit der Riesling Traube sehr gut geht, da sie Kälte gut verträgt) und damit länger reifen und mehr Zucker bilden, wie auch Weine aus wärmeren Regionen, wie dem Elsass und Südaustralien, zeigen eher Zitrus- und Pfirsichnoten und schmecken hervorragend zu frischem, ofenwarmem Apfelkuchen!

Wie beim Chardonnay spiegelt die Riesling-Traube die Eigenheiten ihrer jeweiligen Heimat in ihrer Aromatik wieder, jedoch ohne Fasseinsatz, da sie einen ausgeprägten Fruchtcharakter hat, der die besonderen Gegebenheiten transportiert.

Ich finde es enorm spannend, was für flexible Dinger diese Trauben sind und wie in einer so kleinen Frucht, so viel von der Umgebung und den Klimabedingungen gespiegelt wird!  Treibt die Natur da nicht wiedermal ein ganz gerissenes Spiel?!

Prost my dear, das Wochenende hast Du Dir verdient! 😉

Julie

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