less is (once again) more…

Liebe Anna,

Da dappelt das neue Jahr bereits seit 10 Tagen so dahin und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich die Umsetzung der nur halbherzig gefassten Vorsätze nun eigentlich doch endlich ernsthaft in Angriff nehmen soll…

Halbherzig, weil ich vor ein paar Jahren eigentlich aufgehört hatte, mir für das neue Jahr jeweils etwas vorzunehmen, der Frust der Nicht-Umsetzung war doch jedes Mal eher hoch. Aber dennoch reizt es mich jedes Jahr Ende Dezember wieder, ob ich es diesmal nicht doch schaffen könnte, die 5kg zu viel loszuwerden, meine Agenda nicht 3 Wochen im voraus komplett zu verplanen, so dass eh keine Zeit bleibt für spontane Unternehmungen oder eben doch endlich mal meine Garderobe ausmisten.

Und heute wo ich an einem verregneten Sonntag so faul auf dem Sofa rumliege und in ein paar Magazinen rumschmöker, fällt mir ein Artikel mit dem Titel „Mini-Schritte“ ganz besonders auf. Vielversprechend finde ich. 🙂

Der Artikel beschreibt die japanische Kaizen Methode, die aus den Wörtern Kai (Veränderung) und Zen (zum Besseren) zusammengesetzt ist: Wandel erreicht man nicht durch radikale Veränderung, sondern nur durch kleine Schritte. Der stete Tropfen lässt grüssen…

Der Mensch ist bekanntlich ja ein Gewohnheitstier. Wir träumen alle gerne von einem besseren Leben, einem interessanteren Job, einer gesünderen Ernährung, einem tolleren Partner…aber wenn es dann wirklich darum geht, etwas aktiv dafür zu tun und zu verändern, wirklich aus der Komfortzone auszubrechen, packt uns regelmässig die Angst. Völlig normal wenn es nach dem Wissenschaftler Robert Maurer (Professor an der medizinischen Fakultät der University of California) geht. Die Blockaden, die wir bei der Umsetzung von Veränderungen spüren, werden vom Mittelhirn, unserem eingebauten Überlebenszentrum, gesteuert. Dort sitzt die Amygdala, die zentrale Schaltstelle, die nicht nur bei drohender Gefahr, sondern eben auch bei Abweichen von der Routine Alarm schlägt.

Die Idee von der Kaizenstrategie ist nun, dass wir die Amygdala durch kleine Schrittchen austricksen, die nicht reichen, um den Alarm auszulösen. Je mehr solche kleiner Schritte gemacht werden, desto mehr neue Verbindungen werden im Gehirn geknüpft. Die Widerstände gegen die Neuerungen werden weniger werden und bald sieht das Hirn die neue Verhaltensweise als normal an, ja im Glücksfall verlangt sie sogar danach.

Eine Wunderlösung finde ich! Gerade ich, die ich doch von mir selbst weiss, dass mein grösstes Hindernis die Überwindung ist (meine Amygdala scheint besonders sensibel eingestellt zu sein…). Ich werde von heute an nun also statt der ganzen 5 Stockwerke die Treppe mal bis ins erste nehmen und von da an den Lift. Ist nicht ganz so abschreckend. Oder einfach mal einen Abend pro Woche bewusst für Spontanes freihalten. Oder wenigstens einen Stapel in meinem Kleiderschrank aufräumen. Klingt doch gar nicht so beängstigend, oder? 🙂

Ein weiterer Punkt der Kaizen Methode zur Veränderung ist, sich selbst keine strengen Vorschriften zu erteilen wie etwa: diese Woche esse ich gar nichts Süsses! Sondern sich simple Fragen zu stellen, denen einfache Taten folgen können. In etwa: was kann ich heute anders machen, damit ich gesünder lebe? Unser Gehirn liebt Fragen, da sie Möglichkeiten offen lassen und nicht wie strikte Befehle Stress auslösen. Also, was kann ich tun? Zum Beispiel 1 Stück Schokolade weniger essen pro Woche. Sollte zu schaffen sein.

Tja, dann versuche ich das doch mal. „Treppe bis in den ersten…“…ja, meine Amygdala scheint nix gemerkt zu haben, alles ganz normal, keine Stressmerkmale festzustellen, im Gegenteil, eher aufgeregte Vorfreude und ein schelmisches Grinsen über meinen ausgefuxten Plan! 🙂

Alles Liebe,

Julie

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