The Monthly Roomie: Musenmonat Juni

Muse  [ˈmuːzə]: eine der neun Töchter des Zeus und der Mnemosyne, der Schwestern im Gefolge des Apoll als Schutzgöttinnen der Künste. Eine Muse  (griechisch Μοῦσα) ist somit eine Person, die einen anderen Menschen zu kreativen Leistungen anspornt oder inspiriert.

Wer inspiriert euch heutzutage? Eine Muse kann, aber muss nicht weiblich sein, oder? Wir haben ein paar gefunden für uns, wobei die ersten Musen doch weiblich sind. Hihi! Und obendrein älter als wir. Müssen Musen älter sein? Nein, aber wir finden es einfach fabelhaft wie diese Damen uns eine Einstellung und Haltung vorleben wie wir sie gerne übernehmen wollen und sind hin und her gerissen von ihren Charakteren und ihrer Lebenserfahrung. Beeindruckend. Bewegend. Mitreißend.

Lyn Slater aka Accidental Icon

#AgeIsNotAVariable für Lyn Kennedy Slater, der Rest aber schon, vor allem, wenn es der Zufall so will und aus einer Universitätsprofessorin für Sozialwissenschaften eine Modebloggerin wird, im zarten Alter von 61 Jahren.

Selbst Universitätsprofessoren (bitte gegendert denken, danke) stoßen an ihre Grenzen und wie es in jedem Beruf ist, kommt man in seiner Laufbahn an jenen Punkt, an dem man sich etwas Neues oder Anderes wünscht. Das muss nicht eine völlig neue Richtung sein, vielleicht ist es auch nur ein anderweitiges Projekt, eine kreative Erweiterung, die es ausmacht. Lyn ist in eben dieser Situation und trägt den Gedanken in sich etwas mit Mode machen zu wollen. Just in dieser Zeit passiert es ihr, dass sie sich mit einer Freundin zum Mittagessen verabredet unweit der NY Fashion Week und von Fotografen als mutmaßliche Modeikone wahrgenommen wird. Umringt von diesen sowie dazu stoßenden Touristen, die nichts verpassen wollen, landet sie in einem Blitzgewitter. Accidential Icon. Und so nahm ihr Blog seinen Lauf…

Brainy is the new sexy könnte man lapidar sagen., aber angesichts ihres PhDs ist das wohl gewagt. Als Clinical Associate Professor ist Lyn am Graduate School of Social Service tätig. Ihr gesamter Werdegang entspricht wenig dem Bloggerimage: Sie engagiert sich in vielen prekären Bereichen wie als Direktor des „Child Sexual Abuse Project at Lawyers for Children“ und tritt im Bereich Kindesmißbrauch als Expertin an Familiengerichten auf. Dem nicht genug gründet sie das erste „Child Advocacy Center“ und schreibt Bücher über Sozialarbeit und Recht sowie ein Handbuch für Richter mit Schwerpunkt Familienrecht. Wir können nur unseren Hut vor ihr ziehen!

Lyn inspiriert uns, dass es im Leben nicht nach Schema F verlaufen muss, nein, im Gegenteil. Es gibt immer wieder Wendungen und Zufälle, die zum Glück völlig altersunabhängig sind, wenngleich das dem Mainstream und der Gesellschaftsnorm nicht gefällt.

„She is the woman who…“ – eine Aufzählung hierzu ist auf ihrem Blog zu sehen und jeder ist eingeladen mitzumachen, der sich angesprochen fühlt – … sich den Normen nicht beugen will.  Das hat sicherlich auch mit ihrem beruflichen Hintergrund zu tun. Wie man sich unschwer vorstellen kann, hat Lyn jedoch auch laufend Kurse zum Thema Fashion belegt und sich auch hier ein profundes Wissen aufgebaut.
Vor allem der intellektuelle Ansatz und smarte, urbane Frauen ansprechen zu wollen, die Authentizität lieben, trifft direkt ins Schwarze. Und nicht nur ins kleine Schwarz!

Ihre Beiträge gehen nicht unter im Meer der gleichmäßig dahin wogenden Must-have-Präsentationen, die viele auf ihren Blogs bewerben.  Das liegt sicher auch daran, dass hier eine gestandene Frau schreibt und kein Mädchen. Lyn entführt in eine Welt, in der Mode anders gesehen und gelebt wird. Sie fordert uns Frauen auf, Frau zu sein. Stereotypen? Nicht bei Lyn Slater. Sie trägt Undercut, Modekreationen so gestylt, dass sie ihren Typ unterstreichen und sodass Grenzen einfach verschwimmen. Lasst uns ein wenig mit ihr schwimmen, als kleine modische Freischwimmer gerne auch gegen den Strom mit intelligentem Witz und einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein und -liebe.

Wen diese Frau ebenfalls beeindruckt, der kann ihr gerne hier folgen.

Iris Apfel aka die Stilikone

No, na, ned würde der Wiener ausrufen! Diese schillernde und kreative Legende hat es uns einfach angetan, denn selbst mit ihren 95 Lenzen sprüht sie eine mitreißende Lebensenergie aus.

Iris Barrel, wie sie als Mädchen hieß, ist in Astoria, Queens, NY geboren als Tochter einer Boutiquebesitzerin und eines Glas- und Spiegelunternehmers. Iris studiert Kunstgeschichte an der NY University arbeitet im Anschluss für die Fashion-Bibel „Women’s Wear Daily“, aber betätigt sich auch im Bereich Interior Design. Sie lernt früh Carl Apfel kennen, mit dem sie 67 Jahre verheiratet sein wird. Mit ihm gemeinsam und aufgrund ihres Unternehmens, das Wohntextiliengeschäft „Old World Weavers“ beginnt sie zu reisen und dabei sammelt sie nicht nur Eindrücke fremder Kulturen, sondern entdeckt vielmehr ihre Liebe zu nicht westlichen, handgefertigten Kleider- und Schmuckstücken, die so Eingang aufs High Society Parkett finden. Die New Yorker nennen sie liebevoll „Rara Avis“. So viel als kurzer Abriss, wer diesen Paradiesvogel nicht zuordnen kann, denn einordnen lässt sich Iris Apfel ohnehin nicht.

Warum ist sie eine Ikone, eine Muse? Sie ist 1921 geboren und ihre Strahlkraft hat über ihr Leben einfach nur zugenommen. Alleine bei diesem Gedanken sind wir schwer beeindruckt von ihrer Karriere. Dabei hegt und pflegt sie eine gewisse Selbstironie, die sie noch charmanter ins Licht rückt, zumindest in unseren Augen und ohne sie (leider) persönlich zu kennen.

Sie ist eine Frau mit einem eigenen Kopf, führt in einer Zeit, wo es noch sehr unüblich war als Frau überhaupt derart am Parkett aufzutreten, ein Leben als Modepionieren frei nach dem Motto „More is more. Less is a bore.“ Kaum zu übersehen bei ihrem Faible für Oversize, starken, geometrischen oder exotischen Mustern und Vintage. Diese Frau beweist einfach Klasse, ganz ohne (erkennbarem) Label. Mit Nonchalance überzeugt sie einen Boutiquebesitzer in den 40ern ihr doch ein paar Jeans zu verkaufen, was damals für Frauen mehr als unüblich war, so ein Kleidungsstück überhaupt zu besitzen. Selbst Iris Apfel hat hierfür mehrere Anläufe gebraucht – sie zeigt also durchaus Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit.

Wir finden es einfach herrlich, dass sie sich voll ihrer Liebe hingibt, ihrer Liebe zu schönen Stoffen, ein breites Wissen dazu hat, denn ein tolles Äußeres alleine ist nicht alles, ein Fingerspitzengefühl für Mode und einen hohen ästhetischen Anspruch. Die Kunstwelt wäre ohne ihrer Exzentrik auch weniger schillernd und bunt in New York. Ihre Weltoffenheit gefällt uns, Neues zu entdecken, die Schönheit anderer Kulturen in die eigene zu integrieren… Apropos Schönheit! Unschwer zu übersehen ist nicht nur die Signature Brille (da wird ein Roomie gleich ganz neidig), sondern auch ihr Alter. Zero Schönheitschirurgie. Vielleicht strahlt sie gerade deswegen eine derartige Eleganz und Anmut aus, gepaart mit Witz und einer gewissen Jungmädchenhaftigkeit. Wir wollen uns ein „Scheibchen von ihr abschneiden“ und in unserem Leben weiter tragen.

Wie Iris unsere Welt sieht: Nur an der Gegenwart verzweifeln sie mit ihrem Mann ein bisschen. Die Leute verblöden, finden beide. Es gebe keine Sitten und keine Kultur mehr. Nicht einmal zur Liebe seien die jungen Leute in der Lage. Mehr hier.

Dieser scheinbar unprätentiösen Ikone kann man wunderbar auf Instagram folgen mit nur einem Klick. Und wer mehr Lust bekommen hat, mehr will, denn „less is a bore“ kann sich gerne die vielen Bewegtbilder in der Filmform „Iris“ ansehen.

Musische Momente wünschen euch,
Anna und Julie. Julie und Anna.

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