Gedankensplitter

Liebe Julie,

wie schön von dir zu lesen! Es ist doch immer eine Freude, persönliche Zeilen zu erhalten. Jetzt vor Weihnachten denkt man wieder mehr daran als sonst, denn es trudelt immer wieder Postkarten und Briefe ein, die einem zeigen, dass es da draußen liebe Menschen gibt, die an einen denken. Und das bringt mich zum Nachdenken…

Warum ist Weihnachten immer so ein Schlüsselereignis? Warum ist man nur einmal im Jahr so friedlich und achtet mehr auf einen liebevollen Umgang mit einander? Warum dieser absolute Glühweinwahnsinn, bei dem man von Treffen zu Treffen hetzt, um sich noch einmal zu sehen? Als ruhig und besinnlich empfinde ich das nicht mehr. Die Zeit, um die Seele baumeln zu lassen fehlt in dieser Weihnachtshektik. Ich vermisse gerade zu dieser Zeit tiefgreifendere Gespräch mit meinen Liebsten und entspannte, gemeinsame Zeit. Zwischen Tür und Angel bleibt man an Oberflächlichkeiten hängen, vergisst die gewechselten Worte, die von der nächsten Drehtüre davon getragen werden und verliert sich in Worthülsen.

Ich ertappe mich selber, wenn ich gefragt werde wie es mir geht, dass ich immer mit gut antworte, gleich wie es mir geht. Mit einigen Bekannten bleiben Gespräche derart an der Oberfläche, dass diese nicht einmal ansatzweise wissen, was mich bewegt. Es hat mich ganz nachdenklich gestimmt als du unsere Ideen, neuen Hobbies, erquicklichen Herzensangelegenheiten und bitteren Schmerzgeschichten erwähnt hast. Als alter Geheimniskrämer behalte ich ja viel für mich, aber die wirklich bewegenden Angelegenheiten wissen 3-4 Menschen, mehr nicht. In unserer Zeit, die mir manchmal erscheint wie vorm Untergang Roms, will ich aber auch vieles nicht preis geben, weil es immer Trampeltiere gibt, die wie Hyänen über derartige Ding herfallen. Ich will nicht einmal, dass bestimmte Menschen an der Oberfläche kratzen. Ich trage also aktiv dazu bei, dass es bei super superfizieller Plänkelei bleibt. Will ich das?

Ich baue mir meine Welt wie sie mir gefällt. Meine kleinen Rückzugsinsel bieten mir Geborgenheit und lassen mich neue Energie tanken. Ich weiß gar nicht, wie Menschen ohne wirklichen Interessen das eigentlich machen… Dabei sind das keine einsamen Inseln, sondern jeder Rückzugsraum beinhaltet liebe Menschen, die mir am Herzen liegen, mir Auftrieb geben, denen ich gerne zu höre und mit denen ich in einem ganz anderen Austausch stehe. Das bereichert mein Leben ungemein!
Letzthin hat mir auch eine Freundin gesagt, dass sie es bewundernswert findet, dass ich immer wieder Wege finde, meine neuen Ideen trotz Widrigkeiten umzusetzen. Darüber habe ich nachgedacht, weil ich mir dessen gar nicht mehr bewusst war und habe mir für mich vorgenommen, diese gute Starrköpfigkeit wieder mehr in mein Leben zu lassen. Als Kind war ich auch so, immer auf der Suche nach neuen Wegen. Was man dabei findet ist einfach unbezahlbar!

So hoffe ich für dich, dass du heute nach all den Strapazen der letzten Tage und Wochen auch kurz auf eine deiner Inseln flüchten konntest. Einfach kurz abtauchen. Nur so, glaube ich, kann man auch mit frischem Blick wieder neue Wege finden. Ich schicke dir positive Gedanken, damit du weißt, dass hier jemand fern von dir sitzt, an dich denkt. Denn ein paar Zeile zu schreiben, bedeutet ja auch, sich einen Menschen nah zu denken. Und das ist doch eine wahrlich schöne Vorstellung und Balsam für die Seele.

Ich drück dich!
Anna

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